Lehrstuhl für Finanzwirtschaft, Prof. Dr. Peter Nippel

Eigenkapitalunterlegung von Kreditrisiken und die Auswirkungen auf die Fremdkapitalkosten von Kreditnehmern - Peter Nippel

Erschienen in:
Zeitschrift für Betriebswirtschaft (ZfB), 74. Jg. (2004), S. 199-222

Zusammenfassung:
Betrachtet werden die Auswirkungen der in "Basel II" vorgesehenen Unterlegung von riskanten Bankkrediten mit mehr Eigenkapital. Auf den ersten Blick scheinen riskante Kredite allein durch diese Anforderung teurer werden zu müssen, da auch für Banken Eigenkapital gemeinhin teurer ist als Fremdkapital. Einfache finanzierungstheoretische Überlegungen machen jedoch deutlich, dass die Überlegung in mehrfachem Sinne zu kurz greift. Sowohl durch einen Home-Made-Leverage als auch durch eine Emission von Vorzugsaktien kann u.U. sichergestellt werden, dass die Rendite-Risiko-Position der bisherigen Eigenkapitalgeber der Bank unverändert bleibt. Damit besteht Anlass, allein aufgrund der geforderten höheren Eigenkapitalunterlegung von riskanten Krediten, Änderungen im Aktivgeschäft vorzunehmen. Vermögensumverteilungen im Zusammenhang mit einer Erhöhung der Eigenkapitalquote zu Lasten der bisherigen Eigenkapitalgeber könnten jedoch Anlass geben, zum Ausgleich höhere Zinsen für Kredite zu fordern. Allerdings können solche Vermögensumverteilungen zu Gunsten neuer Anteilseigner, der bisherigen Fremdkapitalgeber oder der Einlagensicherung zumeist vermieden werden. Nur bei einer Bank, die ihr knappes Eigenkapital kurzfristig nicht aufstocken kann oder will, dürften riskante Kredite in Folge von Basel II entweder teurer oder nur noch in geringerem Umfang vergeben werden.