Lehrstuhl für Finanzwirtschaft, Prof. Dr. Peter Nippel

Die Gestaltung des Pflichtangebots unter dem Aspekt des Minderheitenschutzes und der effizienten Allokation der Unternehmenskontrolle - Eike Houben

Erschienen in:
Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis,
WM (Wertpapier-Mitteilungen), 54. Jhg., S. 1873-1883.

Zusammenfassung:
Die Übernahme der Mannesmann AG durch die Vodafone Airtouch Plc. hat in Deutschland die Diskussion um die Einführung eines Übernahmegesetzes neu entfacht. Im Rahmen dieser Diskussion ist auch zu klären, ob, und wenn ja, wie die Minderheitswertpapierinhaber vor möglichen Vermögensverschlechterungen in Folge einer Übernahme durch ein solches Gesetz geschützt werden sollen oder ob das Konzernrecht einen ausreichenden Schutz bietet. Daß es einen Schutz geben muß, steht hierbei außer Frage. Denn ein funktionsfähiger und liquider Wertpapiermarkt - eine Grundvoraussetzung für wirtschaftliches Wachstum - bedarf auch des Kapitals von Kleinanlegern. Für diese ist der Wertpapiermarkt dabei um so attraktiver, je geringer die Gefahr einer möglichen Vermögensverschlechterung als Folge einer Übernahme ist. Darüber hinaus wirkt ein sinnvoll gestalteter Minderheitenschutz als effizienter Mechanismus zur Allokation der Unternehmenskontrolle in einer Volkswirtschaft.
Die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission "Unternehmensübernahmen" ist zu der Auffassung gelangt, daß ein Schutz der Minderheitsaktionäre nur durch ein sog. Pflichtangebot sichergestellt werden kann. Das Konzept des Pflichtangebots, das sich auch im "Geänderte Vorschlag für eine Dreizehnte Richtlinie auf dem Gebiet des Gesellschaftsrechts des Europäischen Parlaments und des Rates über Übernahmeangebote" und im deutschen Übernahmekodex findet , ist in der Literatur indes nicht unumstritten. In diesem Aufsatz wird gezeigt, wie eine zukünftige Pflichtangebotsregelung gestaltet sein sollte, um nicht nur einen effizienten Minderheitenschutz - und damit eine gesteigerte Attraktivität des Kapitalmarkts für Kleinanleger - zu gewährleisten, sondern auch um eine effiziente Allokation der Unternehmenskontrolle sicherzustellen. Es wird auch dargelegt, weshalb die Empfehlungen der Expertenkommission in ihrer jetzigen Form nicht geeignet sind, diese Ziele zu erreichen und warum das Konzernrecht keine Alternative zu einer Pflichtangebotsregelung darstellt.

Ausleihe:
Fachbibliothek am juristischen Seminar: Signatur Z 893